Nach Christensen: Neue Technik startet unten — schlechter, aber billiger und zugänglicher — und wächst, bis die Etablierten ihr Geschäftsmodell verlieren. KI passt beunruhigend gut ins Muster: Der Erstentwurf vom Modell ist schlechter als der vom Profi, aber tausendfach billiger. Wer nur die heutige Qualität vergleicht, unterschätzt die Kurve, auf der sie sich bewegt.
Ein Beispiel
Die Fotografie ist das Standardbeispiel und wird meistens falsch erzählt. Kodak ging nicht unter, weil die Digitalkamera erfunden wurde — sie hatte sie selbst erfunden. Sie ging unter, weil das eigene Geschäft am Film hing und niemand im Haus ein Interesse hatte, es zu ersetzen. Die Technologie war zwanzig Jahre vorher da. Was fehlte, war die Bereitschaft, den einträglichen Teil aufzugeben.
Genauer betrachtet
Der Begriff stammt von Clayton Christensen und meint etwas Bestimmtes: Ein zunächst schlechteres, billigeres Angebot bedient einen unterversorgten Rand und wächst von dort nach oben. Verdrängung durch ein einfach besseres Produkt ist etwas anderes.
Warum das zählt
Der Begriff ist so abgenutzt, dass er in Präsentationen fast nur noch Dringlichkeit erzeugen soll. Nützlich bleibt die ursprüngliche Beobachtung: Verdrängung beginnt regelmäßig am unteren Ende, mit einem Angebot, das schlechter, aber billiger und einfacher ist — und deshalb von den etablierten Anbietern zu Recht ignoriert wird, weil ihre besten Kunden es nicht wollen. Die brauchbare Frage lautet deshalb nicht „Was disruptiert uns?“, sondern: Welches Kundensegment bedienen wir heute mit Absicht nicht, weil es sich nicht lohnt?
Häufig missverstanden
Weil das Wort für jede Veränderung benutzt wird, verliert es seine Diagnosekraft. Die interessante Frage bleibt, wer das billigere, zunächst schlechtere Angebot macht.