Wirtschaft & Einsatz

Pilot vs. Produktion

Der Pilot glänzt: motivierte Nutzer, saubere Beispiele, keine Altlasten. Produktion heißt echte Datenqualität, Ausnahmen, Verantwortliche, Monitoring, Kostenkontrolle — hier sterben die meisten KI-Projekte. Der Unterschied ist kein Reifegrad der Technik, sondern der Organisation. Wer den Betrieb nicht plant, hat keinen Piloten, sondern eine Vorführung.

Ein Beispiel

Der Pilot lief drei Monate mit dreißig Fällen pro Woche, ausgewählt von den zwei Kollegen, die das Thema vorantreiben, und mit einem Entwickler in Rufweite. Der Betrieb hat achthundert Fälle pro Woche, darunter alle Sonderformen, wird von wechselndem Personal bedient und muss auch dann funktionieren, wenn niemand aus dem Projektteam da ist. Es sind nicht dieselben Bedingungen, und deshalb ist der Pilot kein Beleg für den Betrieb.

Genauer betrachtet

Im Pilot fehlen Ausnahmen, Last, Rechteverwaltung, Übergaben und Zuständigkeit im Störfall. Genau diese Punkte machen den Großteil des Aufwands aus. Der funktionierende Kern ist der kleinere Teil.

Warum das zählt

Zwischen den beiden liegt kein Skalierungsschritt, sondern eine andere Bauaufgabe: Fehlerbehandlung, Wiederanlauf, Rechteverwaltung, Protokollierung, Überwachung, Zweitmodell für den Ausfall, Schulung, Zuständigkeit. In der Erfahrung vieler Vorhaben ist das der größere Teil des Aufwands, obwohl er nach dem sichtbaren Erfolg kommt und deshalb schwer zu begründen ist. Der praktische Rat: Im Piloten mindestens zwanzig Prozent Fälle einbauen, die absichtlich schwierig sind. Sonst misst man die eigene Auswahl.

Häufig missverstanden

Ein gelungener Pilot sagt wenig über die Betriebsfähigkeit aus. Die verlässlichere Frage lautet, wer im Störfall angerufen wird und was dieser Mensch dann tun kann.

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